Irgendwie wollte es dieses Jahr nicht so recht passen. Zum dritten Mal führten wir den Paartörn in der türkischen Ägäis ab dem Starthafen Göcek durch. Wir sind nach wie vor absolut begeistert vom Segelrevier und den einheimischen Leuten, aber das Reiseland Türkei machte es schwierig, Paare für den Törn zu begeistern. Segeln und als Paar wertvolle Impulse für den Alltag bekommen: Ja! Aber in die Region reisen, wo der politische Kurs nur Fragen aufwirft: eher Nein! So mussten wir einen Monat vor Törnbeginn leider noch eine Abmeldung entgegennehmen und segelten schlussendlich am 24. September nur zu sechst los…

Was wir dabei erlebten, hat das mühsame Vorgeplänkel mit der Reisevorbereitung mehr als entschädigt. Die idyllischen Buchten waren zwar auch jetzt nicht komplett menschenleer, aber es hatte einfach überall Platz. Die Wetterlage ist im Herbst derart konstant, dass jeden Tag ab 12.00 Uhr mit einer frischen Brise aus West bis Nordwest zu rechnen war. Und jeder Tag mit eitel Sonnenschein und nochmals 27 Grad Celsius auf dem Thermometer! Baden im noch warmen Wasser war nebst der Segelführung die wichtigste Tätigkeit, an der sich alle Crewmitglieder beteiligten.

In einer Woche ging es rund um den Golf von Fethyie. In dieser Provinzstadt besuchten wir den Basar und tauchten so noch etwas ins türkische Leben ein. Auch hier kaum Unterschiede zu vergangenen Jahren auszumachen! Immer wieder begeistert es uns, wie sehr die Segelfreude innerhalb einer Woche selbst bei Crewmitgliedern wächst, die anfangs noch etwas ängstlich wirkten. Gegen Ende Woche sitzen die meisten Handgriffe und die Schräglage der Thauride III – übrigens das gleiche Schiff, das wir auch vor eineinhalb Jahren segelten  – wird jetzt nicht mehr nur toleriert, sondern richtig herbeigewünscht.

Jeder Tagesanfang wurde genutzt, um in Anlehnung an eine Symbolik des Segelschiffes etwas fürs Leben und die eigene Paarbeziehung neu verstehen zu lernen. Die Offenheit unter den Teilnehmern, die teils kurz oder auch schon ein Vierteljahrhundert verheiratet waren, brachte uns alle weiter. Aber wie immer konnten nicht diese gemeinsamen Zeiten als Höhepunkte bezeichnet werden, sondern die Dialogzeiten von täglich einer halben Stunde, die die Paare nur zu zweit irgendwann während des Tagesverlaufes gestalten konnten. Einfache Fragen und eine gute Gesprächskultur führten bei allen Paaren zu spürbar mehr Nähe im Laufe der Woche, was hoffentlich auch den weiteren Alltag prägen wird.

Am Freitag 30. Sept. ging es dann wieder zurück an den Ausgangspunkt. Dabei erfüllten wir den speziellen Wunsch eines Crewmitgliedes, das Geocaching über alles liebt: Wir steuerten Koordinaten in einer einsamen Bucht an, von wo wir mittels einer Peilung einen Geocache orten konnten, den seit einem Jahr niemand zuvor gefunden (vielleicht auch nicht gesucht!) hatte. Und unsere Mission war erfolgreich. Was für ein Abschluss!

So war es nicht zu verhindern, dass die Paare schlussendlich mit leicht gedrückter Stimmung am Samstag das Schiff verliessen. Die gemeinsamen Abenteuer und das Miteinander als Paar und in der Gruppe hätte man locker noch ein paar Tage verlängern können. Aber die Thauride III sollte wieder für die nächste Gruppe mit Skipper Hansjörg auslaufen. Nun ja, wie fast nach jedem Törn hat jemand den Segelvirus eingefangen und wird womöglich selbst eine Seglerkarriere starten. So ist Fortsetzung möglich.

Wir werden im nächsten Jahr wieder einen Paartörn durchführen und machen uns sogleich an die nächste Törnplanung.

Übrigens: Wir haben in dieser Woche 99.4 sm zurückgelegt.

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Hansjörg und Helene Forster, Oktober 2016

Ich würde diese Reise gleich wieder machen. Es war sehr entspannt., und die Zeit konnte man sehr gut zu zweit geniessen. Die Natur pur und mal was Neues erleben, was für eine tolle Sache! Ich bin jetzt auch ein Schiffan.
Evelyne Bänziger
Für uns passte die Reise, um nach familiären Veränderungen (Auszug der erwachsenen Kinder) uns als Paar neu aufeinander auszurichten. Wir sind nicht nur Eltern, sondern ein Ehepaar. Wir konnten zum Start der neuen Lebensphase bestens Kurs setzen.
Rolf Bänziger
Der Ehepaar-Segeltörn war einmalig! Gemeinsam erste Segel-Erfahrungen zu machen, Ruhe zu geniessen, Natur bewundern und zwischendurch Zeit für die Beziehung – das wünsche ich jedem Ehepaar!
NZ