Am Ostersamstag geht es endlich los: Das RESTORE Team für einmal miteinander auf Törn, das haben wir alle mit Spannung erwartet! Unser Flugspezialist, Roland, hat die Reise nach Olbia im Vorfeld für alle noch umbuchen müssen. Jetzt müssen 50 min reichen, um in Düsseldorf umzusteigen. Und tatsächlich es klappt. Ein Mitarbeiter der Charterbasis North Sardinia Sail steht am Flughafen Olbia bereit und führt uns mit Kleinbus nach Portisco zum Steg. Für die Woche ist schönes Wetter, aber auch Starkwind angesagt. Das nährt unsere Hoffnung, dass wir das Gebiet weiträumig erkunden und genügend Strecke zurücklegen können, um die vielen schönen Winkel der traumhaften Inselwelt rund um La Maddalena zu erkunden. Schliesslich haben wir ja einen Rekognoszierungstörn geplant, um die Segeltrips im Juni und Ende September dieses Jahres gezielt mit Gästen fahren zu können.

Der erste Tag ist gleich ein ordentlich steiler Einstieg mit Wind bis zu 6 oder in Böen 7 Beaufort, aber unter unserem Teamskipper und Yachtmaster, Felix, kommen wir alle gut in Fahrt. Gegen 18.00 Uhr kommen wir nach 7.5 stündiger Fahrt auf der Kreuz und zwischen pittoresken Inseln und Felsen in Santa Teresa ganz im Norden von Sardinien an. Wir haben bereits 39 Seemeilen geloggt. Über unsere Restaurantwahl an diesem Abend haben wir noch die ganze Woche über zu reden, denn wir sind uns mit der grottenschlechten Bedienung alle einig: Das geht besser!

Der zweite Tag ist der Überfahrt über die Strasse von Bonifacio nach Korsika gewidmet. Das geht nicht bei jedem Wind und Wetter, denn im Kanal zwischen den Inseln setzt ordentlich Strom und mit starkem Nordwest könnte es schwierig werden. Tut es freundlicherweise heute nicht und wir kommen gut rüber – etwas arg geschaukelt – was nicht allen gut bekommt.  Dann laufen wir in einer der wohl schönsten Hafeneinfahrten ein. Bonifacio, hoch oben auf dem Felsen ist ein Traum, die Einfahrt durch den natürlichen Kanal ins Hafenbecken spektakulär. Wo bleiben die Fanfaren von den Türmen?

Als wir morgens am dritten Tag auslaufen, haben wir alle Hände voll zu tun, um bei dem derart starken Wind im Hafen nicht unsere Sun Odyssey 42i und unsere Nachbarn zu gefährden. Es sei nicht lustig draussen, warnt uns ein älterer Franzose vom Boot nebenan. Ja, da ist wirklich reichlich Wind und Welle draussen, aber wir kommen gut voran und münden an der Südostecke Korsikas in einen spannenden Transit ein, der uns über die Seekarte vorgestellt wird und uns haarscharf an Untiefen und Hindernissen vorbeiführt. Das ist ein spannendes Erlebnis, an dem fast alle mit Feldstecher, GPS, Kompass und Segelführung beteiligt sind. Heute reicht die gereffte Genau. Es bläst derart stark, dass wir auch so mitunter fast 8 kn Fahrt machen. Gegen Abend ankern wir in der Bucht Rondinaria, die wie eine Arena mit azurblauem Wasser wie aus einer anderen Welt erscheint. Der Wind lässt kaum nach und das Ankerliegen fühlt sich mit dem Wind im Rigg an wie unter Fahrt. Aber der Anker im sandigen Untergrund hält.

Der vierte Tag führt uns schon wieder südwärts nach Sardinien. Wir bleiben dicht hinter einer Gewitterfront und kassieren den einzigen schüchternen Regen in der ganzen Woche. Wieder gibt es viel zu sehen mit den spektakulären Buchten, den engen Passagen. Wir bringen es an diesem Tag wieder auf insgesamt 6 Stunden Fahrt und 27 Seemeilen. Nochmals gibt es eine Übernachtung in einer fast karibisch anmutenden Bucht. Und jetzt endlich bringt unser Skipper auch den Dingi-Motor zum laufen, so dass wir die Gegend erkunden wollen. Andere, Roland und Hansjörg, machen das schwimmenderweise und machen im 17-grädigen Wasser auf Kälteunempfindlich. Unsere Frauen, Ruth, Helene und Patricia, wagen sich heute nicht ins Wasser. Überhaupt, sind sie meist mit 2 Schichten mehr ausgerüstet als die Männerwelt, so dass Selfies von uns allen aussehen wie durch Photoshop bearbeitet: Sommerfrische mit kurzen Hosen bei den Männern kombiniert mit Kleidung, die sich für eine Polarexpedition eignen würde, bei den Frauen!

Am fünften Tag geht es nochmals weiter südwärts, an unserem Ausgangspunkt Portisco vorbei weiter südwärts in die Marina Puntaldia. Der Wind lässt an diesem Tag allmählich nach und gibt uns bei ruhigeren Verhältnissen Gelegenheit, schon während der Fahrt miteinander als Team im Austausch zu sein. Die ganze Woche über beschäftigt uns das Thema R-E-S-T-O-R-E, für jeden Tag ein Buchstabe aus unserem Namen. So schärfen wir unsere gemeinsame Perspektive für die Leidenschaft, die uns alle gepackt hat: Selber im Leben so unterwegs zu sein, dass die Dinge verwirklicht werden, die Gott für uns bereithält. Und genau damit möchten wir auch Menschen beschenken, die mit uns auf Törn kommen, ob wir jetzt viel darüber reden oder einfach leben.

Kaum zu glauben, am sechsten Tag müssen wir schon wieder zurück nach Portisco, nachdem wir in diesem Hafen, der in der Hochsaison zwischen Juli und August mit 160 Euro pro Nacht Liegegebühr unbezahlbar ist, bestens die Vorsaison genossen haben: Freundliche Leute, mässige Gebühren, gediegenes Restaurant im Saisonstart mit der dezenten, aber vollen Aufmerksamkeit für uns als einzige Gäste. Das hat gut getan. Nach einem Abstecher in eine weite Bucht mit blaugrün glänzendem Wasser, wo wir uns kaum sattsehen können, steuern wir Kurs nach Nord und laufen um 17 Uhr im Ausgangshafen Portisco ein, mit insgesamt 173 Seemeilen im Kielwasser. Wir sind wirklich genügend weit herumgekommen und haben auch realisiert, dass das Gebiet bei Starkwind, der ja glücklicherweise nicht immer herrscht, gut zu befahren ist.

Am Samstag packen wir wehmütig unsere Sachen und machen uns bereit für den Nachhauseweg in die Schweiz. Diese Woche war ein besonderer Leckerbissen und hat uns als Team enorm weitergebracht. Aus Ideen werden Tatsachen, die uns verbinden. Es ist grossartig, Freunde zu haben, mit denen man Zukunft gestalten kann. Hoffentlich so, dass noch viele davon profitieren: Segeln mit Mehrwert eben.

23.04.2017, Hansjörg Forster