Ein mutiger Schritt aufs Wasser – aber unbedingt im Boot bleiben!

Vom 1. bis 8 Juni 2019 beteiligte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben als Crewmitglied an einen Segeltörn auf dem Meer. Was für eine total neue Erfahrung! Meine grösste Angst im Vornherein war ehrlich gesagt, ich könnte von Bord fallen. Da kam es mir sehr entgegen, dass wir vier Teilnehmende schon zu Beginn des Törns eine Rettungsweste und einen Lifebelt angepasst bekamen. Das hat meine Angst schon fast genommen. Sicherheit geht vor.

Mit einer zusammengewürfelten Gruppe aus den Nationen Schweiz, Amerika und Griechenland legten wir vom Hafen Nikiti (Chalkidiki, Nordgriechenland) ab. Unser Ziel in nur einer Woche Fahrt war es, die Sporadeninseln 50 Seemeilen weiter südlich zu erreichen und auch wieder an den Ausgangspunkt zurückzukehren – ein ambitiöses Ziel, wie sich herausstellen sollte, hatten wir doch am Ende unserer Reise fast 250 Seemeilen zurückgelegt.

Die Abwechslung von mehr oder weniger Wind und dazwischen einige Motorfahren wegen Flaute boten uns viel Gelegenheit, einiges Segelwissen zu erwerben oder zu vertiefen. Das Skipperpaar, Hansjörg und Helene Forster, sorgte dafür, dass jeder an Board die Möglichkeit bekam, nach seinen Möglichkeiten Hand anzulegen. So waren wir alle beteiligt und irgendwie stolz darauf, dass wir die Etappen gemeinsam meisterten.

Mich hat sehr überrascht, wie weit man mit Segeln kommt! Da ist man im Vergleich zu einem Motorfahrzeug auf dem Land doch eher langsam unterwegs – obwohl es einem dann mit dem Rauschen des Wassers doch schnell vorkommt – und am Abend ist man ganz woanders angekommen. Fünf bis sechs Stunden Fahrt pro Tag sind eben nicht wenig. Genau dieses «Eile mit Weile» war es, was mir half, aus dem Alltagsstress zu entschleunigen, ohne auf den einen oder anderen Adrenalin-Kick gänzlich verzichten zu müssen. Ich staunte immer wieder über die Bilder aus dem gerade Erlebten, die sich für unser Leben aus den Segelerfahrungen erschlossen.

Der Höhepunkt für mich war das Segeln in stockdunkler Nacht, als wir von Skiathos die Rückfahrt nach Chalkidiki antraten. Der Sternenhimmel lud zum Staunen über das grossartige Werk des Schöpfers ein, und die langen Nachtstunden liessen den einen oder anderen Gedankengang ungehindert in die Länge fliessen.

Die Zusammenarbeit in der Crew empfand ich als sehr wohltuend. Sie lief eigentlich wie selbstverständlich ab. Jeder konnte seinen persönlichen Beitrag einbringen, sei es beim Segeln oder in der Küche. Hilfeleistungen mussten nicht gefordert werden, sondern kamen immer freiwillig. Dies empfinde ich als grosses Geschenk. Auch die Bereitschaft aller Crewmitglieder, im erstaunlich vertrauten Rahmen der Crew das eine oder andere aus dem persönlichen Leben preiszugeben, war für mich ein grosser Pluspunkt dieser Reise. Am Ende der Woche flog ich von Thessalonki nach Zürich zurück mit vielen neuen Eindrücke im Reisegepäck und im Herzen.

24.06.2019, T.K.