Der Solent, das Gebiet der Meerenge zwischen der Isle of Wight und der englischen Südküste ist Ausgangspunkt vieler Regatten, Mekka der Segler, vielbefahrene Wasserstrasse, extremes Gezeitenrevier und als solches unser Trainingsgebiet für eine Woche. Zu dritt bezogen wir unsere Hallberg Rassy 36, Felix, der Skipper, der seinen RYA Yachtmaster hier auf dem Solent gemacht hatte und wir zwei Trainierenden.

Schon gleich zu Beginn machte der Skipper klar: «Tide is king» – Die Gezeiten sind hier König. Sie bestimmen alles: Wie man an- und ablegen kann, wo und wann man durchfahren kann usw. So machten wir bei den ersten Übungen mit dem Schiff gleich unsere Erfahrungen, wie schnell ein bisschen unerwarteter Strom ein eigentlich nicht so schweres Hafenmanöver misslingen lassen kann. Auch die ganzen Gezeitenberechnungen, die in der theoretischen Prüfung für den Hochseeschein einmal vorgekommen waren und mit der Zeit etwas in Vergessenheit geraten waren, brauchten hier dringend eine Auffrischung.

So gab es nun immer wieder neue Aufgaben zu lösen: Ansteuern eines Hafens unter Berücksichtigung der Strömung; berechnen und dafür sorgen, dass immer mindestens 50 cm Wasser unter dem Kiel blieben; anlegen an einer Tonne unter Motor und unter Segeln; Nachtansteuerungen inklusive dem Hafen Portsmouth, wo unter vielen Lichter erst die richtigen Leuchtfeuer gefunden werden mussten; Anker werfen an einem bestimmten Punkt auf der Karte nur mit Peilungen; die Bramble Bank, eine berüchtigte Sandbank mitten im Solent, in einem engen Viereck umfahren; Kurshalten im Strom mit Rückwärtspeilung; Einfahrt in einen Kanal nur unter Radar; Hafenmanöver und manches mehr. All das mit terrestrischer Navigation, also vor allem mit Karte und Kompass und den Gezeitentabellen und Informationen aus dem Reeds Almanach und den Strömungsatlanten. Der Kartenplotter blieb ausgeschaltet und das Handy mit Navionics in der Hosentasche.

Mit zwei Teilnehmern wurde die Trainingswoche ziemlich intensiv. Entweder stand man am Steuer oder man navigierte. Eigentlich kann man innerhalb einer Woche kaum mehr Erfahrungen sammeln! Der gemütliche Teil kam aber auch nicht zu kurz: Stadtbummel durch das malerische Cowes, ein Nachtessen im Pub und auch ein Ankerbierchen lagen gut drin. Das Wetter bescherte uns gutes Segelwetter mit Wind, der sich am Mittwoch auf 7 Beaufort mit Böen bis 8 steigerte, was uns noch eine Fahrt bei Starkwind ermöglichte. Alles in allem war es eine schöne und sehr lehrreiche Woche, die einem die nötigen Fähigkeiten mitgibt, auch einmal selbst auf eigene Faust in einem Gezeitenrevier unterwegs zu sein.

03.06.2019, M.F.