In der Schweiz ist es noch empfindlich kalt. Nicht so am Steg in der Turk Marina in Göcek, wo wir die Jeanneau Sun Odyssey 469 gleich zu acht als unser Zuhause für die nächsten 9 Tage einrichten. Drei Paare haben sich bei Helene und Hansjörg Forster für den Paar-Segeltörn in der Südtürkei eingeschrieben. Und schon die Anreise konnte in diesem Fall gemeinsam geplant werden. Leider fliegt um diese Jahreszeit EdelweissAir noch nicht direkt von Zürich nach Dalaman. Aber auch mit Turkish Airlines über Istanbul hat das ganz gut geklappt. Alternativ könnte die Destination auch mit dem Billigflieger Pegasus über Istanbul angeflogen werden. Funktioniert auch. Und per Taxi braucht es nur 20 min Fahrt, um vom Flughafen Dalaman nach Göcek mit den 5 grossen Marinas zu wechseln.

Zunächst die Verproviantierung. Das Zusammensuchen aller Lebensmittel in der örtlichen Migros-Filiale (staun, staun) dauert gerne mal eineinhalb Stunden, denn für die neun kommenden Tage kommen Mengen zusammen, die gewisse Crew-Mitglieder noch nie übers Kassenband haben laufen sehen. Dann aber übernimmt in diesem Fall ein hilfsbereiter Verkäufer der Migros die Anlieferung mit dem gigantischen Rollwagen bis zum Steg und sogar direkt vor unsere „Thauride“ – ein wunderbarer Service, der uns etliche Schweisstropfen zum Beginn der Reise erspart.

Schon bei den Sicherheitsinstruktionen pfeift uns der Wind um die Ohren. In den nächsten Tagen soll es noch zunehmen. Glücklicherweise ist der Golf von Göcek, der sich gleich vor der Hafeneinfahrt mit unzähligen paradiesisch anmutenden Eilanden auftut, ein geeigneter Rückzugsort vor Wind von fast allen Seiten. Die erste Nacht verbringen wir in der geschützten Bucht an der Boje. Der Abend klingt aus, während wir uns an Bord noch lange unsere Geschichten erzählen und uns auf die gemeinsamen Tage einstellen. Die Paare sind an Bord gekommen, um abwechslungsreiche Tage auf dem Wasser zu erleben. Sie wollen aber auch für ihre Beziehung lernen und gehen die Verpflichtung ein, über die Reise verteilt sechs Paardialoge à 30 min nach vorgegebenem Thema zu führen. Sie dürfen diese Zeiten gestalten, wann sie wollen, auf der Fahrt, vor Anker in der Bucht oder während des Ausflugs in die Stadt. Diese Zeiten werden sich im Laufe der Woche als die wichtigsten Souvenirs entpuppen, welche die Paare mit nach Hause nehmen dürfen. Die vertrauensvollen Gespräche können eben auch im Alltag weiter fortgesetzt werden. Dreissig Minuten kriegt jedes Paar in ihr Leben rein, wenn es nur will.

Da der Wind am nächsten Tag auf 6 bis 7 Beaufort auffrischt, entscheidet sich die Gruppe dafür, im Hafen der Provinzstadt Fethyie festzumachen und das Ambiente mit Bazar zu geniessen. Die meisten haben ja noch keine Seebeine. Tags darauf kann es dann endlich losgehen, weil ein ideales Wetterfenster aufgeht, um nach Osten davon zu segeln. So geht die Reise bis nach Kalkan und Kas, zwei Orte, die unglaublich viel orientalischen Charme bieten. Mittlerweile ist die Crew gut eingespielt. Jetzt können auch die höheren Wellen bei kurzzeitig 6 Beaufort Wind dem Vergnügen keinen Abbruch tun. Nur 2 Crewmitglieder werden merklich stiller, halten sich aber ganz tapfer. Und schon geht es wieder gemächlicher voran.

Die restlichen Tage gestalten sich sehr abwechslungsreich. Ungeahnt finden wir uns wieder auf einem Gourmet-Törn. Entweder werden wir exzellent bekocht von unserem britischen Crewmitglied und seiner Frau, die immer wieder Köstlichkeiten aus der Kombüse hervorzaubern. Oder wir verpflegen uns bei einem Landgang in einem Restaurant mit köstlichen türkischen Speisen. Gerade rechtzeitig treten wir wieder die Rückreise nach Westen an, geschoben von einem guten Wind und vorbei an den fünf Kapps, bevor das Gebläse endgültig einschläft. Und jetzt, wo es plötzlich ein bisschen langweilig zu werden droht, geben sich endlich Delphine die Ehre und kreuzen als Schule mit fünf Tieren unseren Kurs. Was für ein Zauber!

Mit 170 Seemeilen unter dem Kiel und vielen tollen Gemeinschaftserlebnissen kehren wir wieder zum Ausgangshafen zurück. Der grosse Gewinn eines Paartörns dieser Art ist es, dass die Teilnehmer nicht nur in der wunderbaren Landschaft, dem Segelerlebnis und der Gemeinschaft als Crew aufgehen, sondern dass sie ihren Nachhauseweg als Paar antreten, dass neu gelernt hat, sich vorbehaltslos aufeinander einzulassen. Sie haben nicht nur eines der schönsten Segelreviere des Mittelmeers kennen gelernt, sondern haben nach zig Jahren Ehe den Partner oder die Partnerin als noch unbekanntes Land gesichtet, dass mit Begeisterung weiter erforscht werden will.

Hansjörg Forster, Mai 2015