Im Verlauf des Nachmittags treffen wir in Portorosa ein und übernehmen unsere Beneteau Oceanis 45 – eine sehr grosszügige Yacht. Anschliessend bleibt genug Zeit für die Einkäufe und das «Einpuffen» auf dem Schiff. Ein Blick auf die Wind- und Wetter Apps macht schnell klar, dass es wohl eine schöne, aber doch eher windarme Woche geben wird. Mit einer Ausnahme: Für den ersten Segeltag sind rund 50 km/h Wind angesagt!

Ein Blick auf das offene Meer zeigt: Die gestrige Windprognose trifft zu! Wir machen alles klar und ziehen die Rettungswesten an. Der Start gelingt mit einem sauberen Ablegemanöver, für welches unser Skipper Felix eine Woche später bei unserer Rückkehr noch von einem Hafenmitarbeiter gelobt wurde. Es wird ein herausfordernder erster Tag im steifen Wind. Brecher lassen ganze Wasserströme über unsere Beneteau fliessen und auch ein Gewitterregen prasselt auf uns nieder. Doch bereits am Abend liegen wir in einer ruhigen Bucht der Insel Panarea vor Anker, der Himmel hellt sich auf und wir erkunden das Dorf auf der Insel und lassen den Tag bei einem selbst gekochten Nachtessen und einem guten Schluck Wein ausklingen.

Wir verlassen unsere Bucht, um die Vulkaninsel Stromboli zu umrunden und dann wieder an Panarea vorbei zur Insel Salina zu fahren. Der Wind war stärker als erwartet uns so konnten wir auch an diesem Montag eine recht grosse Strecke unter Segel zurücklegen, bevor wir im Hafen des kleinen Städtchens Santa Marina festmachten.

Nachdem wir unsere Vorräte noch etwas ergänzt hatten, ging es weiter an der Nordküste von Salina und Filicudi vorbei, wo wir eindrückliche Felsformationen bestaunen konnten. Die grosse Herausforderung des Tages war dann das Ankermanöver an der steinigen und recht steil abfallenden Küste von Alicudi. Im ersten Anlauf angelten wir mit unserem Anker ein Kabel vom Meeresgrund. Beim zweiten Versuch hielt der Anker, doch wir waren so nahe am Ufer, dass wir unser Heck zusätzlich an einer Boje festmachten, um nicht auf das Ufer hinzutreiben. So haben wir uns unseren Ankerbier (auch wenn es ein Rosé war…) redlich verdient.

Der neue Tag beginnt mit einem unfreiwilligen Tauchgang, da sich unsere Leine nicht so einfach von der Boje lösen lässt. Danach geht es weiter nach Filicudi zum nächsten felsigen Strand und zum ersten Mal liegen wir mit unserem Schiff nicht alleine in der Bucht, sondern teilen uns diese mit zwei weiteren Segelschiffen. Ebenfalls zum ersten Mal liegen wir auf der Westseite und können daher das Nachtessen und den Abend bei Sonnenschein an Deck geniessen.

Trotz etwas Vorsicht wegen der gesichteten Quallen beginnt auch dieser Tag mit einem erfrischenden Morgenbad und einem stärkenden Frühstück an Deck. Anschliessend muss der Skipper tief in die Trickkiste greifen, um eine Lösung zu finden… Der Anker hat sich unter einem Stein festgehackt. Das Bergemanöver ist umständlich und so hat sich der Skipper des Nachbarbootes bereits auf den Weg gemacht, um uns zu helfen, doch wir kriegen den Anker frei und legen los zur nächsten Etappe zur Insel Vulcano. Auch heute können wir die letzten Meilen wieder bei gutem Wind segeln und erreichen die malerische Bucht – allerdings nicht als erste. Es liegen bereits ein Dutzend Schiffe vor Anker. Auch wir gesellen uns für diese Nacht dazu.

Am heutigen Morgen wird unsere eingespielte Morgenroutine durchbrochen: Wir machen uns kurz nach sechs Uhr auf den Weg um den Vulkan zu besteigen von wo aus wir eine atemberaubende Sicht über das ganze Revier haben, in welchem wir die letzte Woche verbracht haben. Eine schöne Zusammenfassung vor unserem letzten Schlag zurück zum Ausgangshafen Portorosa. Da wir die Strecke mit Motor zurücklegen müssen, nehmen wir uns noch Zeit, uns beim Piscina di Venere an die Felsen heranzutasten und dann fahren wir zurück, nehmen einen Apero und dann… auch heute wieder: Der Wind frischt auf und wir segeln die letzten Meilen – ja, wir drehen vor dem Hafen noch eine Zusatzrunde, um diesen Wind zu geniessen. So schliessen wir diese Woche mit einer genussvollen Rückfahrt ab.

30.05.2017, Roland Waldvogel